Virtuelle Besichtigungen – Chancen und Gefahren

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Virtuelle Besichtigungen von Wohnungen und Häusern sind in aller Munde. Immer mehr Makler setzen auf diese innovative Form der Immobilienvermarktung. Bei richtigem Einsatz ein tolles Mittel. Nur leider wird mit diesem Medium gerade heute am Anfang des virtuellen Zeitalters oft falsch umgegangen.

Nehmen wir uns ein wenig Zeit, um uns mit der Thematik näher auseinanderzusetzen. 

Ein Interview mit Stephanie Sauer, Marketingexpertin bei HBF Immobilien

 

Frau Sauer, können Sie virtuelle Besichtigungen kurz erklären?

Mit einer 360 Grad-Kamera wird jeder Raum derart abgelichtet, dass ein Betrachter den ganzen Raum erfassen kann. Vom Kamerastandpunkt aus kann er sich virtuell einmal um die Achse drehen. Durch spezielle Programmierungen kann sich der Interessent von Raum zu Raum bewegen.  Er kann also eine Besichtigung virtuell am Computer oder mit einer Spezialbrille erleben.

 

Sind virtuelle Touren immer sinnvoll ?

Wie und wann 360 Grad Touren zum Einsatz kommen sollten, ist immer individuell zu klären.

In der heutigen Euphorie machen leider viele den Fehler, diese neue Technik  bei jedem Objekt und manchmal sogar in ungeschützter Form einzusetzen. Das hat in meinem Augen mit einer professionellen Vermarktung jedoch nichts zu tun. Begleitete virtuelle Besichtigungen hingegen können in einigen Fällen jedoch sehr sinnvoll sein. Diese virtuellen Meetings sind zwar um einiges aufwendiger, da der Makler bei jeder virtuellen Besichtigung mit dem Interessenten verbunden ist,  jedoch bieten sie viele Vorteile:

 

An welche Vorteile denken Sie ?

Es gibt diverse Fälle, bei denen der Einsatz einer 360 Grad Besichtigung sinnvoll ist:

 

  1. Die Eigentümer bewohnen die Immobilie noch

Wenn eine Immobilie noch bewohnt ist, sind eine große Anzahl an Besichtigungen für die Eigentümer nicht selten strapaziös. Schließlich möchte man immer ein sauberes, aufgeräumtes Zuhause vorzeigen können. Durch eine Auswahl der für die Präsentation passenden Räume bleibt die Privatsphäre der Eigentümer geschützt. Eine professionelle, durch den Immobilienmakler geführte virtuelle Besichtigung trennt die Spreu vom Weizen. Nur wirklich interessierte erscheinen so zu einer realen Besichtigung.

 

  1. Die Immobilie ist renovierungs- oder sanierungsbedürftig

Hier können virtuelle Besichtigungen durch Zusatzprogrammierung dazu dienen, die Räume sowohl im Oringinalzustand als auch im sanierten Zustand zu zeigen. Kaufinteressenten erhalten so einen Eindruck des machbaren. Besonders bei Küchen und Bädern oder bei Wohnungen mit Holzdecken und alten Böden ist diese Zusatzprogrammierung sinnvoll.

 

  1. Die Immobilie ist vermietet

Mieter sind von vielen Besichtigungen meist nicht sehr angetan. Die Verabredung von Besichtigungsterminen wird oft erschwert. Hier bietet die 360 Grad Aufnahme eine sehr gute Möglichkeit, reale Besichtigungen auf ein Minimum zu reduzieren. Vermietete Wohnungen werden auch oft von Kapitalanlegern gekauft, die weiter weg wohnen. Hierzu im nächsten Punkt näheres.

 

  1. Kaufinteressenten wohnen in weit entfernten Orten

Eine virtuelle, vom Makler geführte Besichtigung kann auch sinnvoll sein, wenn ein Interessent eine größere Reise für seine Besichtigung antreten muss. Dies ist oft bei Kapitalanlagen der Fall. Aber auch Menschen, die sich beruflich verändern, haben oft lange Anreisewege.

Durch virtuelle Besichtigungen kann der Interessent einen ersten Eindruck erhalten. Auch hier betone ich nochmals , dass diese durch den Makler geführt werden sollte. Denn nur in diesem Fall können Fragen geklärt werden und auf die individuellen Wünsche des Kaufinteressenten eingegangen werden.

 

  1. Kaufinteressenten vergessen

Nach einer Besichtigung hat ein Kaufinteressent zwar einen ersten Eindruck erhalten. Besonders bei größeren Immobilien haben diese jedoch oft keinen bleibenden Eindruck. Die Möglichkeit, die Immobilie noch einmal mit dem Makler zusammen virtuell zu begehen, wird von vielen Interessenten dankend angenommen.

 

 Gibt es auch Gefahren?

 Durchaus! Vor allem bei unsachgemäßer Anwendung.

Beim Befassen mit der Thematik 360 Grad konnte ich Immobilien ohne mich vorher zu authentifizieren anschauen und offen liegende Wertgegenstände betrachten. Einmal war mir sogar schon vorher die Adresse der Immobilie bekannt. Solch Information in den falschen Händen birgt große Gefahren.

Was in den Besichtigungstouren zu sehen sein soll, sollte immer gut durchdacht sein. So bin ich zum Beispiel überhaupt kein Freund davon, teure Gemälde und Wertgegenstände in so einer Präsentation zu zeigen. Diese sollten vorab grundsätzlich abgehängt werden. Auch persönliche Bilder und Fotos sollten – wie beim Homestaging – durch neutrale Dekomaterialien ersetzt werden. Dies dient dem Schutz der Privatsphäre und auch dem Schutz vor geplanten Einbrüchen.

Des weiteren  sollte man genau überlegen, welche Räumlichkeiten überhaupt gezeigt werden und welche Privaträumen herausgelassen werden.

Eine Gefahr sehe ich auch in offenen virtuellen Besichtigungen. Die Interessenten sollten immer vorab geprüft sein.

 

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